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Nassfilzen (wet felting) — wie man Wollfilz herstellt

Nassfilzen (wet felting) — wie man Wollfilz herstellt

Was ist Nassfilzen

Nassfilzen (englisch wet felting) ist die älteste Textiltechnik der Welt — älter als Stricken und Weben. Das Prinzip ist einfach: Wollfasern verfilzen sich in Anwesenheit von Wasser, Seife (Alkali) und mechanischer Reibung miteinander und bilden einen festen, untrennbaren Filz. Die Schuppen auf der Oberfläche der Wollfasern öffnen sich im alkalischen Milieu und verhaken sich beim Reiben ineinander — und das unwiderruflich.

Was Sie benötigen

Wolle — Merino-Roving lässt sich am leichtesten verarbeiten. Feinere Fasern filzen schneller. Corriedale ist eine gute Alternative.

Heißes Wasser + Seife — Olivenseife, Seifenflocken oder mildes Spülmittel. Das Wasser sollte heiß sein (nicht kochend).

Noppenfolie oder Bambusmatte — für die Rolltechnik. Noppenfolie sorgt durch ihre Textur für die nötige Reibung.

Altes Handtuch — zum Aufsaugen von Wasser.

Anleitung — flacher Filz

Schritt 1: Schichten aufbauen

Legen Sie dünne Wollfaserstränge auf die Noppenfolie — die erste Schicht waagerecht, die zweite senkrecht, die dritte wieder waagerecht. Mindestens 3 Schichten. Die Fasern müssen sich kreuzen — das sorgt dafür, dass der Filz in alle Richtungen stabil ist.

Schritt 2: Anfeuchten

Besprühen Sie die Wolle mit heißem Seifenwasser. Bedecken Sie sie mit einem Netz oder einer Folie und drücken Sie sanft auf — die Fasern saugen sich voll. Nicht verschieben — nur andrücken.

Schritt 3: Filzen (Walken)

Reiben Sie sanft in kreisenden Bewegungen über das Netz. Beginnen Sie leicht — die Fasern verbinden sich erst allmählich. Nach 5–10 Minuten den Druck erhöhen. Sie können die Wolle in die Noppenfolie einrollen und rollen (50× hin und zurück). Um 90° drehen und erneut rollen — das sorgt für gleichmäßiges Einlaufen.

Schritt 4: Kontrolle

Versuchen Sie, Fasern vorsichtig von der Oberfläche abzuziehen. Wenn sie sich lösen — weiter filzen. Wenn sie halten — der Filz ist fertig. Das gesamte Stück wird um 20–40 % gegenüber der ursprünglichen Größe einlaufen.

Schritt 5: Ausspülen

Mit kaltem Wasser ausspülen (der Temperaturschock hilft, den Filzprozess abzuschließen). Im Handtuch ausdrücken. In die richtige Form ziehen und liegend trocknen lassen.

Projekte

Unterlagen und Untersetzer — einfaches flaches Stück. Ideales erstes Projekt.

Schals und Halstücher (Nuno-Filzen) — Wolle wird auf ein feines Gewebe (Seide, Gaze) gefilzt. Es entsteht ein leichter, luftiger Filz mit durchscheinender Gewebestruktur. Wunderschön und einzigartig.

Taschen und Hüllen — gefilzter Filz kann geschnitten, genäht und geformt werden. Er bricht nicht und franst an den Rändern nicht aus.

Schuhe und Hausschuhe — Wollfilz ist fest, isolierend und formbar. Traditionelle Walenki (russische Filzstiefel) werden nassgefilzt.

Warum sich nur Wolle filzt

Filzen funktioniert dank der Schuppen auf der Oberfläche von Wollfasern. Baumwolle, Leinen und Kunstfasern haben keine Schuppen — sie filzen nicht. Superwash-Wolle hat chemisch behandelte Schuppen — sie filzt ebenfalls nicht (oder nur sehr schwer). Zum Nassfilzen benötigen Sie Non-Superwash-Wolle.