Was ist ein Spinnrad
Ein Spinnrad (englisch spinning wheel) ist ein mechanisches Gerät zum Verspinnen von Fasern zu Garn. Im Gegensatz zur Handspindel, die man ständig neu anwerfen muss, hält das Spinnrad die Rotation durch Treten eines Pedals (oder elektrisch) aufrecht. Beide Hände bleiben frei zum Ausziehen der Fasern (Drafting). Das Spinnen ist schneller, gleichmäßiger und weniger ermüdend.
Spinnradtypen
Traditionell (Saxony wheel)
Klassische Form — großes Rad, horizontale Konstruktion, Spindel auf einer Seite, Rad auf der anderen. Ikone aus Märchen und historischen Filmen. Schön, aber platzsparend ist es nicht. Moderne Versionen sind funktional und präzise. Marken: Schacht, Kromski, Ashford Traditional.
Castle wheel (Turmrad)
Kompakter — das Rad befindet sich über oder unter der Spindel in einem vertikalen Turm. Benötigt weniger Platz als das Saxony-Rad. Beliebt für den Heimgebrauch. Marken: Ashford Kiwi, Lendrum, Schacht Ladybug.
Tragbar (portable / travel wheel)
Klein, leicht, faltbar. Passt in eine Tasche. Zum Spinnen unterwegs, auf Workshops und Treffen. Weniger stabil als ein vollwertiges Spinnrad. Marken: Ashford Joy, SpinOlution Mach III.
Elektrisch (e-spinner)
Motor statt Pedal — die Drehzahl wird per Drehregler oder Fußpedal reguliert. Kein Treten — ideal für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit der Beine. Kompakt, leise. Marken: HansenCrafts miniSpinner, Daedalus, Electric Eel Wheel.
Wie man das erste Spinnrad auswählt
| Kriterium | Worauf man achten sollte |
|---|---|
| Platz | Wie viel Platz haben Sie? Ein Saxony-Rad benötigt 80×60 cm, ein Castle-Rad 40×40 cm. |
| Transportfähigkeit | Möchten Sie es mitnehmen? → tragbares Rad oder e-spinner. |
| Garntyp | Feines Garn? → glatte Spindel, hohe Drehzahl. Dickes Garn? → großes Spulensystem. |
| Budget | Einsteiger: 120–320 €. Qualität: 320–800 €. Premium: 800+ €. |
| Neu vs. gebraucht | Gebrauchte Spinnräder (Flohmärkte, Gruppen) können deutlich günstiger sein. Ashford und Schacht halten jahrzehntelang. |
Grundlegende Mechanik
Mit dem Pedal dreht man das große Rad, das über einen Riemen die Spindel antreibt. Die Spindel dreht sich und verdrillt die Fasern, die man in den Händen hält. Das fertige Garn wird auf eine Spule (Bobbin) gewickelt. Das Verhältnis von Rad zu Spindel bestimmt die Drehzahl — höheres Verhältnis = mehr Drall = feineres Garn.
Die meisten modernen Spinnräder haben ein einstellbares Übersetzungsverhältnis (Scotch tension, Double drive oder Irish tension) — das ermöglicht das Spinnen von feinem Spitzengarn bis hin zu dickem Roving.
Spinnrad vs. Handspindel
| Eigenschaft | Spinnrad | Handspindel |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | 3–5× schneller | Langsamer |
| Investition | 120–800 € | 8–40 € |
| Transportfähigkeit | Eingeschränkt | Überall |
| Lernkurve | Koordination von Händen und Füßen | Einfacherer Einstieg |
| Produktionsvolumen | Groß | Klein |
Empfehlungen
Wenn Sie noch nie gesponnen haben, beginnen Sie mit einer Handspindel (ab ca. 8 €) — Sie lernen die Grundlagen des Draftings und des Dralls. Wenn Sie das Spinnen begeistert und Sie mehr möchten, investieren Sie in ein Spinnrad. Ein gutes Einsteiger-Spinnrad (Ashford Kiwi, Schacht Flatiron) hält viele Jahre.