Was ist Anschlagen
Anschlagen (englisch cast on) ist die Erstellung der ersten Maschenreihe auf der Nadel — der Startpunkt jedes Strickprojekts. Ohne Anschlagen können Sie nicht mit dem Stricken beginnen. Es gibt viele Anschlagmethoden und jede hat andere Eigenschaften — einige erzeugen einen elastischen Rand, andere einen festen, manche sind einfach und andere dekorativ.
Methode 1: Einfacher Anschlag (backward loop / e-wrap)
Die einfachste Methode — ideal für absolute Anfänger.
Vorgehen: Machen Sie eine Schlinge auf der Nadel (Knoten). Dann wickeln Sie wiederholt das Garn um den Daumen und fädeln die Schlingen auf die Nadel. Jede Schlinge = eine Masche.
Vorteile: Extrem einfach, schafft jeder.
Nachteile: Der Rand ist sehr locker und instabil. Die Maschen können sich dehnen. Nur geeignet für temporären Anschlag oder eine kleine Anzahl von Maschen (Hinzufügen von Maschen mitten in der Reihe).
Methode 2: Gestrickter Anschlag (knitted cast on)
Sie erstellen Maschen durch Stricken in die vorherige Masche.
Vorgehen: Machen Sie die erste Masche (Knoten). Führen Sie die rechte Nadel in diese Masche wie für eine rechte Masche ein, wickeln Sie das Garn, ziehen Sie die neue Masche durch — aber anstatt die alte Masche abzuheben, lassen Sie sie auf der linken Nadel und setzen die neue Masche AUCH auf die linke Nadel. Wiederholen — jede neue Masche entsteht aus der vorherigen.
Vorteile: Festerer Rand, leicht zu erlernen, lässt sich gut zählen.
Nachteile: Weniger elastisch — ungeeignet für Bündchen, die sich dehnen sollen (Mützen, Socken).
Methode 3: Long-tail cast on (Anschlag mit Schwanz)
Die universellste und meist verwendete Methode.
Vorgehen: Messen Sie das freie Ende des Garns ab (Schwanz) — etwa 3× die Breite der fertigen Arbeit. Machen Sie einen Knoten und setzen Sie ihn auf die Nadel. Spreizen Sie Daumen und Zeigefinger der linken Hand zu einem „V" mit dem Garn — Schwanz über den Daumen, Arbeitsgarn über den Zeigefinger. Mit der Nadel nehmen Sie das Garn vom Daumen von unten nach oben auf, dann vom Zeigefinger von oben nach unten, und ziehen durch die Schlinge am Daumen. Festziehen — eine Masche.
Vorteile: Gleichmäßiger, elastischer Rand. Sieht professionell aus. Geeignet für die meisten Projekte.
Nachteile: Sie müssen die Länge des Schwanzes schätzen. Wenn er zu kurz ist, müssen Sie von vorne beginnen. Lösung: schlagen Sie ein paar Maschen mehr an, als Sie brauchen, und lassen die überschüssigen Maschen am Ende fallen.
Wie wählt man die richtige Methode
| Projekt | Empfohlene Methode | Grund |
|---|---|---|
| Schals, Decken | Long-tail | Elastischer, gleichmäßiger Rand |
| Mützen, Socken | Long-tail oder tubular | Elastizität erforderlich |
| Pullover-Bündchen | Long-tail | Stabil aber elastisch |
| Maschen mitten hinzufügen | Backward loop oder knitted | Schnell, ohne Vorbereitung |
| Provisorischer Anschlag | Provisional cast on | Kann später aufgetrennt werden |
Wie viel Garn für den Schwanz (long-tail)
Orientierungsregel: für jede Masche brauchen Sie etwa 2,5 cm (1 Zoll) freies Garn plus Reserve. Für 100 Maschen: 100 × 2,5 cm = 250 cm + 30 cm Reserve = 280 cm Schwanz. Oder einfacher — wickeln Sie das Garn so oft um die Nadel, wie viele Maschen Sie brauchen, und fügen 30 cm hinzu.
Häufige Fehler
Zu fest angezogene Maschen — das Anschlagen ist fester als das eigentliche Stricken. Wenn der Rand zusammengezogen und nicht elastisch ist, schlagen Sie auf einer 1–2 Nummern größeren Nadel an und wechseln dann zur richtigen Größe.
Zu kurzer Schwanz beim long-tail — frustrierender Fehler, der Sie zwingt aufzutrennen und von vorne zu beginnen. Nehmen Sie immer mehr als weniger.
Ungleichmäßige Spannung — die ersten Maschen sind lockerer, die letzten fester (oder umgekehrt). Versuchen Sie, den gleichen Zug während des gesamten Anschlags zu halten.